Nutzergenerierte Inhalte: Können Profis und Bürgerjournalisten zusammenarbeiten?

Der Begriff „Journalist“ beschrieb lange Zeit einen Verfasser von Zeitungsartikeln. Später, mit dem Aufkommen des Rundfunks, umfasste der Begriff auch Fachleute von Radios und TV-Sendern. Und im digitalen Zeitalter erweitert sich die Bedeutung nun erneut. Jetzt sind auch die Bürgerinnen und Bürger Journalisten. Ob es um Clips von Protesten auf der Straße oder um Fotos von Musikfestivals geht: Fernsehanstalten auf der ganzen Welt verwenden in ihren Nachrichtensendungen nutzergenerierte Inhalte (User-generated content, UGC). Aber wie beeinflusst es den professionellen Journalismus, wenn Umfang und Ausmaß von UGC weiter ansteigen? Und wie können Nachrichtenorganisationen sicherstellen, dass sie diese neue Situation für sich nutzen?

Von Menschen für Menschen

Bürgerjournalisten werden sicherlich nicht wieder von der Bildfläche verschwinden. Laut einem neuen Bericht von Sony und IHS Markit wird die Anzahl der Bürgerjournalisten bis 2025 jedes Jahr um 145 % steigen. 2025 wird es also 13 mal mehr Bürgerjournalisten als jetzt geben. Sobald sich mit Smartphones Video aufzeichnen ließen, war dieser Verlauf im Grunde vorgezeichnet. Fast jeder konnte nun Videos davon machen, was um ihn herum geschah – mit einer Technologie, die in die Hosentasche passt. Laut Zenith besitzen im Jahr 2018 mehr als zwei Drittel der Erwachsenen weltweit ein eigenes Smartphone. Ein Mangel an vollausgestatteten potenziellen Bürgerjournalisten ist also nicht in Sicht. Aber durch die 5G-Konnektivität wird sich die Dimension noch einmal verändern. Dank eines stabilen Internets fast überall, auch in Bereichen mit starkem Netzwerkverkehr, können Benutzer ihre Medien sogar noch schneller hochladen, herunterladen und streamen. Für Bürgerjournalisten ist dann die Freigabe von Inhalten vor Ort nahezu in Echtzeit möglich, ob über Social Media oder direkt über ein Nachrichtenteam. Wenn Nachrichtenorganisationen diese Veränderungen voraussehen und ihre Systeme und Prozesse anpassen, können sie die Inhalte, die sie für Eilmeldungen benötigen, schneller als je zuvor aufspüren – ohne die Kosten und den Zeitaufwand, den es mit sich bringt, Korrespondenten an den Ort des Geschehens zu senden. In einer Branche, in der es vor allem um Schnelligkeit geht, gehört die Zukunft möglicherweise denjenigen, die den Tempovorteil von UGC für sich nutzen, und nicht denen, die versuchen, mit diesen Inhalten zu konkurrieren.

Eine Rolle im Wandel

Für ausgebildete Journalisten geht es in der täglichen Arbeit zukünftig wohlmöglich eher darum, Inhalte zusammenzustellen statt zu ermitteln. Dabei stehen die Planung, Auswahl, Koordination und der Feinschliff der Nachrichteninhalte im Mittelpunkt: Es handelt sich also um eine Aufgabe für Allrounder, die die wichtigsten Storys auswählen und diese mit Videos, Bildern und Audio unterfüttern, um informative und überzeugende Erzählungen zu erschaffen. Dabei greifen sie auf ihr Know-how und ihre erlernten Kenntnisse zurück, um die vorhandenen Inhalte objektiv aufzubereiten. Vielleicht führt das dazu, dass es zukünftig häufiger detaillierte Berichte und Reportagen über einen längeren Zeitraum hinweg gibt. Denn durch UGC müssen professionelle Journalisten Nachrichten nicht mehr erst aufspüren, und diese Inhalte ermöglichen es ihnen, mehr Fragen zu stellen, mehr aufzudecken und bei aktuellen Ereignissen nachzuhaken. Wenn Nachrichtenorganisationen diese Mengen an Inhalten verarbeiten müssen, werden sie sich bei den Ausgaben für Technologie vermutlich auf die Bereiche Speicherung, Katalogisierung und Verwaltung konzentrieren. Umfassende Content-Management-Systeme wie unsere Lösung Media Backbone Hive erlauben es Nachrichtenteams, jederzeit und überall auf Inhalte zuzugreifen und diese freizugeben. Diese Cloud-basierten Lösungen beschleunigen den gesamten Nachrichten-Workflow und machen damit Produktion und Bereitstellung reibungsloser und schneller – unabhängig von Standort, Infrastruktur oder Dateiformat. Weil es zudem immer bessere Benutzeroberflächen gibt, können sich Journalisten darauf konzentrieren, ihrem Publikum Nachrichten schneller bereitzustellen oder den Schwerpunkt auf investigativen Journalismus legen.

Der Wandel beginnt jetzt

Nachrichtenunternehmen greifen bereits auf neue Fähigkeiten und Disziplinen in ihrer alltäglichen Arbeit zurück. Daten- und Social-Media-Journalisten durchforsten Unmengen an Informationen und Social-Feeds nach neuen Leads und Eilmeldungen. Der unvermeidliche Wandel wurde in einen Vorteil für Nachrichtenmedien verwandelt. Nutzergenerierte Inhalte sind keine Bedrohung für Profis, sondern bieten ihnen umfassende Möglichkeiten. Die Frage ist, ob Journalisten und Nachrichtenorganisationen diese neuen Inhalte für sich nutzen und ob die Systeme und Prozesse vorhanden sind, um das zu ermöglichen.

IHS Markit Report – Citizen journalism: The value of effectively leveraging user-generated content for news provision