PXW-FS5: Aufnahmetipps für Fortgeschrittene

Im zweiten Teil dieser Reihe verrät Alister Chapman, wie man die optimale Bildqualität mit der PXW-FS5 von Sony erhält.

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Die PXW-FS5 hat viele fortschrittliche Funktionen zur Erstellung beeindruckender visueller Effekte, mit denen Ihre Projekte wirklich hervorstechen.

Zeitlupe und Zeitraffer (S&Q-Motion) bedeutet, dass Sie bei Bildwechselfrequenzen von 1 Bild/s bis zu 60 Bildern/s drehen können. Damit können Sie die Geschwindigkeit der Szene erhöhen oder senken, um Zeitraffer- oder Zeitlupeneffekte zu erstellen.

Super Slow Motion ermöglicht Ihnen, die Aufnahme noch weiter zu verlangsamen, und das bis zu 960 Bildern/s. Die Kamera verfügt über einen Center Scan Modus, mit dem nur der „Super-16-mm“-Teil des Sensors genutzt werden kann, sowie über Clear Image Zoom, einem intelligenten elektronischen Zoom, mit dem Sie mit jedem Objektiv um ein bis zu zweifaches heran- und herauszoomen können, ohne dass die Bildqualität spürbar leidet. Mit einem optionalen Firmware-Schlüssel kann die PXW-FS5 auch Signale in 12 Bit RAW an einen optionalen Recorder ausgeben. Die RAW-Option ermöglicht die Ausgabe von DCI 4K (4.096 x 2.160) bei bis zu 60 Bildern/s sowie von 4K-Zeitlupe bei 100/120 Bildern/s in vier Sekunden langen Bündeln. Sie können darüber hinaus auch kontinuierliche 2K-Zeitlupe bei 100/120 Bildern/s und 200/240 Bildern/s ausgeben. Um diese RAW-Ausgabe aufzuzeichnen, benötigen Sie einen kompatiblen externen RAW-Recorder. Der Camcorder verfügt über einen wunderbaren verstellbaren ND-Filter, mit dem die Belichtung und Tiefenschärfe sehr präzise gesteuert werden können. Diese Funktion möchte ich mir zuerst anschauen.

Verstellbarer ND-Filter

Viele Kameras haben interne ND-Filter. Ein ND-Filter wirkt wie eine Sonnenbrille, insofern er die Menge an Licht reduziert, die auf den Sensor fällt. Um das ND-Filtersystem der PXW-FS5 zu aktivieren, müssen Sie das ND-Filterrad aus der klaren Position in die Position 1, 2 oder 3 drehen. In der klaren Position wird das gesamte ND-Filtersystem aus den optischen Pfad herausgenommen, hat also gar keinen Effekt. Werden jedoch die ND-Positionen 1, 2 oder 3 ausgewählt, wird der ND-Filter vor den Sensor geschoben. Wenn der ND-Auswahlschalter auf „Preset“ steht, bietet jede Filterposition – ähnlich wie bei Kameras mit internem ND – eine andere Lichtreduzierung: ND1 reduziert das Licht um ¼, ND2 um 1/64 und ND3 um 1/128. Anders als bei den meisten Kameras kann der ND-Pegel für jede Filterposition jedoch im Kameramenü verändert werden, damit Sie bei jeder Filterposition mit genau der gewünschten Menge an ND arbeiten können.

Wird der Schalter auf „Variable“ gestellt, können Sie die Dunkelheit des ND-Filters manuell mit dem Drehregler anpassen. Bei der variablen ND-Steuerung kann der ND-Filter so präzise verstellt werden, dass die Übergänge bei der Belichtung kaum zu erkennen sind. Dies ist besonders nützlich, wenn Sie die Kamera mit Objektiven von anderen Herstellern als Sony verwenden, bei denen die Blende in Grobschritten eingestellt wird. Hier kann der ND-Filter genutzt werden, um die Belichtung während einer Aufnahme reibungslos zu ändern. Der variable ND-Filter ist auch dann sehr praktisch, wenn Sie die Tiefenschärfe einer Szene justieren möchten. Indem Sie eine große Blendenöffnung von vielleicht f4 oder f2,8 einstellen, können Sie eine niedrige, filmartige Tiefenschärfe erzielen. Anschließend können Sie den ND-Filter einsetzen, um die korrekte Belichtung zu erreichen. Dies kann sogar automatisch geschehen, wenn der ND-Filter auf Auto gesetzt wird, während die Blendeneinstellung manuell vorgenommen wird. Die Steuerung des ND-Filters kann bei Bedarf dem Drehregler am Handgriff zugewiesen werden. Aber der ND-Filter funktioniert natürlich nur, wenn Sie die Positionen 1, 2 oder 3 am ND-Filterrad wählen.

[1] [2] Verstellbarer ND-Filter Variable Möglichkeiten

Center Scan

Der Modus Center Scan ermöglicht Ihnen, nur den mittleren Teil des Sensors zu verwenden. Anstelle eines Vollbilds von Super 35 mm nutzen Sie also nur den mittleren Teil bei Super 16 mm. Center Scan funktioniert nur im HD-Modus und kann nicht für UHD (4K) verwendet werden. Durch die Verwendung von Center Scan können Sie ein sehr breites Spektrum von Objektiven verwenden, auch solche, die für Super-16-Film entwickelt wurden, sowie einige 2/3“-B4-Zoomobjektive im Broadcast-Stil. Im Vergleich zum Vollbildmodus wird das Sichtfeld des Camcorders um ein 2-Faches verringert. So wird ein 50 mm-Objektiv zum Äquivalent eines 100 mm-Objektivs. Dies kann nützlich sein, um eine Nahaufnahme zu drehen, wenn man nur ein Weitwinkelobjektiv zur Hand hat. Es gibt jedoch noch einen besseren Weg, mit der PXW-FS5 zu zoomen, nämlich der sogenannte Clear Image Zoom. Man sollte beachten, dass Center Scan nicht mit Super-Slow-Motion kombiniert werden kann.

[1] Center Scan Super-16-mm [2] Super-35-mm

[3] Center Scan [4] Center Scan aus [5] Center Scan ein

[6] In beiden Fällen wurde dasselbe Objektiv verwendet

Klarbildzoom

Clear Image Zoom ist ein elektronischer Zoom, mit dem Sie bis um ein 2-Faches heranzoomen können, ohne dass die Bildqualität spürbar verschlechtert wird. Das funktioniert mit jedem Objektiv einschließlich Prime-Modellen. Wenn Sie also ein Prime-Objektiv mit fester Brennweite an der PXW-FS5 anbringen und Clear Image Zoom im Kameramenü auswählen, können Sie mit der Zoomwippe der Kamera um ein bis zu 2-faches in HD und bis zu 1,5-Faches in UHD zu zoomen. Wenn Sie ein Power-Zoomobjektiv von Sony verwenden, wie etwa das f4-Objektiv mit 18 – 105 mm, das im Produktpaket mit der PXW-FS5 erworben werden kann, dann nutzt die Zoomwippe zuerst den optischen Zoom und geht dann praktisch nahtlos zum Clear Image Zoom über. So wird aus dem 7-fachen optischen Zoom des 18 – 105 ein 14-facher Hybrid-Zoom in HD. Im Gegensatz zu anderen einfachen und minderwertigen Digitalzooms nutzt Clear Image Zoom eine ausgefeilte Bildverarbeitung mit einem Texturenkatalog, mit der die Bildqualität fast vollständig aufrechterhalten wird. In den meisten Drehsituationen ist er also mehr als angemessen.

Slow- & Quick-Motion

S&Q-Motion ist eine der nützlichsten Funktionen der PXW-FS5, da sie ermöglicht, die gefilmte Szene zu verlangsamen oder zu beschleunigen. Sie erlaubt Ihnen, bei 1 Bild/s bis zu 60 Bildern/s zu drehen. Wenn Sie bei einer geringen Bildwechselfrequenz wie 1 Bild/s drehen, wird die Szene extrem beschleunigt, was sich perfekt für Zeitraffer eignet. Wenn ich die Basis-Bildwechselfrequenz der Kamera z. B. auf 24 Bilder stelle, muss ich nur die S&Q-Taste drücken, um S&Q-Motion zu aktivieren. Wird die S&Q-Taste gehalten, kann ich die Bildwechselfrequenz der Aufnahme über den Drehregler unter der Menü-Taste festlegen. Wenn ich hier 1 Bild/s einstelle, wird mein aufgezeichneter Clip bei 24 Bildern/s abgespielt und die Szene um ein 24-Faches beschleunigt. Dies ist hervorragend für Aufnahmen im Zeitraffer. Außerdem kann der Clip bei Bedarf in der Postproduktion weiter beschleunigt werden. Wenn Sie bei niedrigen Bildwechselfrequenzen wie 1 Bild/s drehen, sollten Sie auch eine sehr niedrige Shutter-Geschwindigkeit erwägen. Wenn Sie die Shutter-Geschwindigkeit auf „1“ stellen, bleibt der Shutter eine Sekunde lang offen, um Bewegungsunschärfe im Zeitraffer zu ermöglichen, was vor allem bei Nachtaufnahmen von Verkehr sehr effektiv ist. Bei HD ist S&Q-Motion bei bis zu 60 Bildern/s möglich. Wenn die Basis-Bildwechselfrequenz des Camcorders auf 24 Bildern/s steht und ich in S&Q bei 60 Bildern/s drehe, werden alle Bewegungen beim Abspielen des Clips um einen Faktor von 2,5 verlangsamt. Bei UHD ist S&Q-Motion auf 1 bis 30 Bilder/s begrenzt. Beachten Sie auch, dass bei S&Q-Motion oder Super Slow Motion kein Ton aufgezeichnet wird.

[1] S&Q-Motion 1 Bild/s, Shutter 1 Sekunde

Super Slow Motion

Wenn Sie die Szene mit der PXWFS5 richtig dramatisch verlangsamen wollen, sollten Sie den Modus Super Slow Motion nutzen. Um Super Slow Motion zu aktivieren, müssen Sie zunächst sicherstellen, dass sich die Kamera im HD-Modus befindet und anschließend zwei Mal auf die S&Q-Taste drücken. Wie bei S&Q-Motion kann die Bildwechselfrequenz eingestellt werden, indem man die S&Q-Motion-Taste gedrückt hält und anschließend den Wert mit dem Drehregler unter der Menütaste oder den Joystick am Handgriff festlegt. Um bei sehr hohen Bildwechselfrequenzen aufzeichnen zu können, nutzt die Kamera einen internen Speicher, in dem die Bilder in Super Slow Motion abgelegt werden, bevor sie auf die SDXC-Karten geschrieben werden. Es ist einfach nicht möglich, Full HD bei 240 Bildern/s direkt auf eine SDXC-Karte in hoher Qualität zu schreiben. Daher ist die Länge der Aufnahme an einem Stück beschränkt. In der folgenden Tabelle finden Sie die verfügbaren Aufnahmezeiten je nach der gewünschten Qualität. Bis zu 240 Bilder/s ist Super Slow Motion in Full HD. Bei 400/480 Bildern/s zeichnet die Kamera ein Bild in HD-Größe auf, aber die vertikale Auflösung geht zurück. Ob dieser Verlust der Auflösung auffällt, kommt darauf an, was Sie drehen. Bei vielen Aufnahmen sieht man den Unterschied nicht, bei anderen kann es aber richtig ins Auge fallen. Ich empfehle, eine Testszene zu drehen und wiederzugeben, um ein Gefühl für die Qualität zu bekommen. Über 480 Bildern/s wird die Auflösung stark reduziert. Ich empfehle, das erst zu testen, um einzuschätzen, ob es für Ihre Produktion akzeptabel ist. Bei Aufnahmen in Super Slow Motion haben Sie drei unterschiedliche Trigger-Optionen zum Start der Aufnahme, da die Kamera einen internen Pufferspeicher nutzt. Start Trigger ist sehr einfach zu verstehen. Wenn Sie Rec drücken, beginnt die Kamera, den internen Speicher mit Zeitlupenaufnahmen zu füllen. Während dieser Phase der Aufnahme wird „Buffering“ am oberen Rand des Displays angezeigt. Wenn der Speicher voll ist, überträgt der Camcorder die Bilder automatisch vom internen Speicher auf die SD-Karte. Anstelle von „Buffering“ wird nun „Recording“ angezeigt. Während dieses Vorgangs können Sie keine neuen Bilder drehen, sondern müssen warten, bis der Zyklus beendet ist. Bei Bedarf besteht auch die Möglichkeit, die Übertragung abzubrechen. Hierbei werden alle Bilder vor dem Abbruch auf der SD-Karte gespeichert, aber alle nachfolgenden Aufnahmen werden gelöscht. End Trigger finde ich für Super Slow am praktischsten. Wenn Sie End Trigger auswählen, wird der interne Speicher des Camcorders mit Zeitlupenaufnahmen gefüllt. Oben auf dem Sucher-Display steht jetzt die Meldung „Preparing“. Im internen Speicher des Camcorders werden ständig neue Aufnahmen abgelegt. Sobald sich die Meldung „Preparing“ zu „STBY“ ändert, können Sie die Rec-Taste nutzen, um die bisherigen Aufnahmen vom internen Speicher des Camcorders auf die SD-Karte zu übertragen. Dies ist besonders nützlich, wenn sie unerwartete und unvorhersehbare Ereignisse aufnehmen wollen, da es ausreicht, erst beim Eintreten der Situation Rec zu drücken. Nach dem Drücken der Aufnahmetaste werden die Aufnahmen VOR dem offiziellen Aufnahmestart vom internen Speicher auf die SDXC-Karte übertragen. Half End Trigger funktioniert eigentlich genauso wie der reguläre End Trigger, außer dass die interne Zwischenspeicherung nur halb so lang sein darf, wodurch man nur die Hälfte der maximalen Aufnahmezeit erhält. Hinweis: Bei Aufnahmen mit hohen Bildwechselfrequenzen bei künstlichem Licht arbeitet der Shutter der Kamera möglicherweise schneller als die Flimmerfrequenz der künstlichen Beleuchtung. Dies kann dazu führen, dass das Material Flimmern oder ein dunkles Band enthält, das sich vertikal durch das Bild bewegt. Wenn Sie mit Super Slow Motion arbeiten, wird das Material in der Regel bei der zweifachen Basisgeschwindigkeit für die Wiedergabe vom internen Speicher des Camcorders auf die SDXC-Karte übertragen. Dadurch sehen Sie während der Übertragung eventuell nur jedes zweite Bild, wodurch Flimmereffekte versteckt werden, die bei der Wiedergabe des Clips klar zu sehen sind. Daher empfehle ich, beim Dreh in Super Slow Motion unter künstlicher Beleuchtung den Clip immer zuerst abzuspielen und auf Flimmern zu prüfen, bevor Sie fortfahren. Tritt ein Flimmerproblem auf, besteht die einzige Lösung oft darin, die Bildwechselfrequenz der Aufnahme zu senken. Schnellere Bildwechselfrequenzen sind anfälliger für Flimmereffekte als langsamere.

Weitere Informationen

Alister Chapman ist ein Kameramann mit 20 Jahren Erfahrung im Bereich Broadcast und Leiter des von ihm gegründeten Unternehmens „Ingenious“, das sich auf Videoproduktionen, Fernsehproduktionen und Multimedia spezialisiert. Die in diesem Artikel vertretene Meinung spiegelt die eines einzelnen, von Sony unabhängigen Autors und nicht die der Sony Corporation oder deren Tochtergesellschaften wieder.