4K-HDR-Dreh mit der PMW-F55 bei Samurai Gourmet von Netflix

Eine unkonventionelle Serie

Netflix ist nicht nur ein äußerst erfolgreiches globales Content Network, das in über 190 Länder zur Verfügung steht, sondern treibt auch die Ausstrahlung von Originalprogrammen aus den unterschiedlichsten Bereichen voran. Eine der ungewöhnlichsten und beeindruckendsten Beispiele dafür ist Samurai Gourmet, eine hochwertige japanische 4K/HDR-Produktion. Der Ursprung der ungewöhnlichen Serie ist auf einen kulinarischen Essay des japanischen Autors Masayuki Kusumi zurückzuführen, der schon bald zu einer beliebten Manga-Serie weiterentwickelt wurde. In der Fernsehserie, die jeweils in 20-minütigen Episoden ausgestrahlt wird, besucht der Pensionär Takeshi Kasumi normalerweise ein Restaurant und genießt dort unterschiedliche Mahlzeiten. Dabei versinkt er in Tagträume über einen Samurai, in denen er kleinere Katastrophen im wahren Leben zu lösen versucht. Die subtilen Handlungen und die kulinarischen Köstlichkeiten kommen in 4K HDR ideal zur Geltung. Deshalb wollten wir mehr über die Hintergründe dieser Produktion in Erfahrung bringen. Beim Interview des Produktionsteams waren der Senior Partnership Engineer Senior Partnership Engineer Haruka Miyagawa von Netflix, Produzent Takehiro Kikuchi und Field Engineer Hiroshi Akamatsu von Kyodo Television, Ltd. sowie der Chief Technical Director Norimasa Ishida der IMAGICA Corp. anwesend.

Mit Netflix Maßstäbe setzen

„Die Nachfrage nach Inhalten in 4K und HDR steigt. Gleichzeitig werden Inhalte über ein immer breiteres Spektrum an internetfähigen Geräten bereitgestellt, von 4K-Fernsehern und Computer bis hin zu Spielkonsolen und mobilen Geräten. Netflix steht dabei an der Spitze dieses Wandels. Um sicherzustellen, dass das Unternehmen qualitativ hochwertige Inhalte bereitstellt, wurden umfangreiche Produktionsrichtlinien zu empfohlener Ausstattung und geeigneten Workflows entwickelt.

Bis Anfang 2017 hat Netflix weltweit bereits 18 HDR-Serien produziert. Samurai Gourmet war die zweite HDR-Produktion aus Japan.“

Senior Partnership Engineer Haruka Miyagawa

PMW-F55 – hervorragende Mobilität und Qualität

„Kyodo Televison war für die Produktion der Inhalte verantwortlich. Dabei kamen zwei Kameras zum Einsatz, die in den Richtlinien von Netflix empfohlen werden. Eine davon war die PMW-F55. In den Richtlinien ist zudem festgelegt, dass die Aufnahmen in 16 Bit RAW erfolgen müssen. Da sich die PMW-F55 problemlos zusammen mit einem RAW-Recorder verwenden lässt, war sie die erste Wahl. Eine Probeaufnahme bestätigte, dass das die richtige Entscheidung war. Die PMW-F55 bietet nicht nur höchste Qualität, sondern auch hervorragende Mobilität vor Ort. Weder das Kamerateam noch der Regisseur verfügten über Erfahrungen mit HDR und am Drehort stand auch kein HDR-Monitor zur Verfügung. Dennoch ist es bei der Produktion gelungen, die gewünschte Qualität zu liefern. Die sorgfältige Auswahl der Drehorte und die HDR-Postproduktion haben sich wirklich ausgezahlt.“

Produzent Takehiro Kikuchi, Kyodo Television

Eine Szene wirklichkeitsgetreu wiederzugeben war nur mit 16 Bit RAW möglich ... Es war uns sehr wichtig, dass auch die kleinsten Details vermittelt werden, wie der schmackhafte Anblick verschiedener Lebensmittel, sodass 16 Bit unabdingbar waren.

Chief Technical Director Norimasa Ishida
IMAGICA Corp

F55RAW-Workflow

„Unser Workflow sah so aus: Wir haben F55RAW (szenenlineare 16 Bit) als Hauptaufnahmeformat bei der Arbeit mit der Kamera PMW-F55 und dem RAW-Recorder AXS-R5 genutzt. Bei der Auswahl des Formats F55RAW war für uns die Möglichkeit des Remastering ausschlaggebend. Was jetzt noch technisch unmöglich ist, könnte in fünf Jahren dank der Fortschritte im Bereich Workflows und Tools bereits umsetzbar sein. Wir glauben, dass es wichtig ist, die Daten in der höchstmöglichen Qualität aufzubewahren, um solche Möglichkeiten nutzen zu können. Außerdem müssen wir die Stammdaten und die fertige Produktion für Originalinhalte von Netflix archivieren. Die Offline-Bearbeitung wurde in Adobe Premiere Pro mit XML vorgenommen. Die ausgegebene EDL wurde dann mit DaVinci Resolve angepasst. Die endgültige Farbkorrektur erfolgte mit dem 30“-4K-OLED-Referenzmonitor BVM-X300 von Sony. Für die eigentliche Farbkorrektur haben wir den Farbraum auf DCI P3 und EOTF bei SMPTE ST.2084 gesetzt – so, wie es in den Richtlinien von Netflix vorgegeben ist. Während des gesamten Prozesses haben wir denselben Monitor im gleichen Raum unter gleichbleibender Leuchtdichte verwendet. Den fertigen Inhalt haben wir als HDR IMF-Paket mit Dolby Vision-kompatiblen Metadaten über das Portal auf der Website von Netflix hochgeladen. Im Jahr 2017 gab es in Japan nur zwei Unternehmen, die mit Dolby Vision arbeiten konnten, und IMAGICA war eines von ihnen.“

Field Engineer Hiroshi Akamatsu, Kyodo Television

Höhere Farbtiefe ist auch in SDR sichtbar

„Für die Bereitstellung in HDR erwarteten wir uns von 16 Bit RAW erhebliche Vorteile. Bei einigen Szenen hätten sicherlich auch 10 Bit ausgereicht. Um eine Szene jedoch wirklichkeitsgetreu wiederzugeben, sind 16 Bit RAW notwendig. Es war uns bei dieser Serie sehr wichtig, dass auch die kleinsten Details vermittelt werden, wie der schmackhafte Anblick verschiedener Lebensmittel, sodass 16 Bit unabdingbar waren. Durch den Farb- und Nuancenreichtum, der nur mit Daten in 16 Bit erreicht werden kann, konnten wir die subtilen Unterschiede von Schwarztönen und Farben bei der Farbkorrektur zum Ausdruck zu bringen. Das ermöglichte uns vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten. Überraschender für uns war vielleicht sogar, dass die herausragende Farbwiedergabe auch nach dem Herunterkonvertieren des Videos zu SDR noch sichtbar war. Die beeindruckenden Bilder mit höherer Farbtiefe konnten selbst noch in SDR überzeugen, so, wie es auch beim Herunterkonvertieren eines Videos in 4K zu HD der Fall ist.

Die Daten im 4K/16 Bit-Format waren für uns einfacher zu handhaben als die im DPF-Format, auch wenn sie aufgrund ihrer Größe einige Probleme mit sich bringen können. Vom Erwerb der PMX-F55 bis zur anschließenden Nachbearbeitung der Daten lief für uns bei dieser Serie alles bestens. Wir werden deshalb auch das 16 Bit-fähige X-OCN-Aufnahmeformat testen.“

Chief Technical Director Norimasa Ishida bei der IMAGICA Corp