Dreharbeiten zu „Descent“ mit dem VENICE-Verlängerungssystem Mini

Es ist ein Sonntagmorgen im März 2025 und in den Betonfluren der UAL in Stratford ist es gespenstisch still. Als wir die Rezeption passieren, erkennen wir durch eine Reihe von Glastüren eine Frau in einem Druckanzug mit einem Helm, um die sich mehrere Menschen scharen. Als wir um eine weitere Ecke biegen, zeigen uns Kurbelstative, Dollyschienen und Flightcases, dass hier ein Filmdreh stattfindet.

An diesem abgeschlossenen Set dreht sich alles um eine der neuesten und fortschrittlichsten Erfindungen von Sony – ein kurioses kleines Gerät, das an einer Ronin RS4 Kardanaufhängung montiert ist. Folgt man dem Kabel nach unten, kommt die Wahrheit ans Licht: Das Kabel führt zu einem VENICE 2-Kameragehäuse. Und genau das ist das neue VENICE-Verlängerungssystem Mini von Sony.

Sony Mondaufnahme

Das VENICE-Verlängerungssystem Mini – oder Rialto Mini, wie es inoffiziell bereits genannt wird – ist ein beeindruckend kleines Gerät. Es wiegt nur 540 g und ist kleiner als eine Limonadendose, enthält aber den gleichen 8,6K-Vollformatsensor wie die ursprüngliche VENICE 2. Die Größe wurde unter anderem dadurch reduziert, dass das einzigartige ND-Filterrad von Sony durch einzelne Filter ersetzt wurde, die manuell eingesetzt und herausgenommen werden können. Wie beim VENICE-Verlängerungssystem 2 kann ein abnehmbares Kabel an eine VENICE 2 angeschlossen werden, damit Inhalte in voller Qualität aufgezeichnet werden könnnen. Dieses Kabel wurde jedoch dünner und flexibler gestaltet und verfügt über eine noch kleinere abnehmbare Spitze, die es ermöglicht, das Kabel auch durch Engstellen zu führen.

Um die Möglichkeiten dieses neuen Systems zu demonstrieren, beauftragte Sony das aufstrebende Autoren/Regisseur-Duo, die Lynch-Brüder (David T. Lynch und Keith Lynch), mit Kate Reid BSC als Kamerafrau. Letztere ist bekannt für ihre Arbeit an prestigeträchtigen Fernsehserien wie der zweiten Staffel von Silo, The Baby und The Nevers (ASC-Nominierung für die beste Kameraführung).

Ihr ehrgeiziges Konzept sieht vor, die zukünftige Landung der ersten Frau auf dem Mond darzustellen. Das Team verwendet das neue 8K VENICE-Verlängerungssystem Mini, um in einer 2x2x2 m großen Raumkapsel auf engstem Raum zu drehen und dabei den Look eines Hollywood-Blockbusters zu erzielen. Wegen der Instrumententafeln und anderen Verkleidungen hat der Arbeitsraum im Inneren nicht viel mehr als einen Meter Durchmesser.

VENICE Verlängerungssystem Mini mit ND-Filter

An dem Tag, an dem ich die Kamera sah, fühlte ich mich wie befreit. Man kann sie wie eine Mittelformatkamera bedienen und Aufnahmen aus der Hüfte heraus machen.

Kate Reid BSC
Kate Reid BSC mit den Lynch-Brüdern im Hintergrund bei der Durchsicht von Material für Descent

Ideal, wenn es eng wird

„Es war erstaunlich“, sagen die Brüder Lynch über das VENICE-Verlängerungssystem Mini. „Wir musst nicht ein einziges Mal Wände ausbauen, obwohl wir uns genau darauf innerlich eingestellt hatten. Deshalb hatten wir unseren armen Produktionsdesigner dazu gezwungen, die Kapsel auf Räder zu stellen und so einzurichten, dass wir jederzeit eine Wand herausnehmen konnten. Das war dann aber gar nicht nötig, denn [die Kamera] war die ganze Zeit über da drin.“

Kamerafrau Kate Reid BSC war froh darüber, dass wir das neue Kamerasystem zum Einsatz brachten. „Nachdem ich diese Kamera bei One Stop erlebte, wo wir uns vorbereiteten, war ich sehr optimistisch“, sagt sie. „Diese Kamera kann man wie eine Mittelformat-Fotokamera bedienen, also aus der Hüfte schießen.“

Für Descent drehte Kate mit dem Mini sowohl aus der Hand als auch mit einer kleinen Kardanaufhängung in Prosumer-Größe, die eine normale Kinokamera normalerweise nicht tragen könnnte. Je nach Aufnahme verfügte Kate über so viel Flexibilität, dass sie in diesem außergewöhnlich klaustrophobischen Set entweder eine energetische Handkamera zum Einsatz bringen oder eine sanft schwebende Schwerelosigkeit erzeugen konnte.

„Ich denke, einen großen Unterschied macht die Tatsache aus, dass sie nur ein Viertel des üblichen Gewichts hat, denn in ihrer Grundform wiegt sie gerade einmal 500 Gramm“, sagt Kate. „Die Kamera ist so klein. Sie fühlt sich fast wie eine Kompakt- Fotokamera an, aber man hat den Vorteil des großartigen Sensors und der Möglichkeit, auf der Vorderseite eigene Objektive anzubringen und alles zu machen, was man auch mit einer normalen Fotokamera machen kann.“

Kate lobt zudem das neue ND-System, das ebenfalls dazu beiträgt, dass das System so kompakt ist.

„Auch wenn diese Kamera wirklich klein ist, bleibt der Vorteil, dass man weiterhin die gleichen NDs wie bei der VENICE 2 einsetzen kann. Es ist ein anderes System, bei dem man das eine Objektiv herausnimmt und ein anderes einsetzt, aber sie sind beim Farbabgleich alle von derselben hohen Qualität wie die VENICE 2. Man hat alle Möglichkeiten, von 0,3 bis 2,4, und trotz der geringen Größe behält man dieselbe Flexibilität wie mit der anderen Kamera.“

Wir sind Filmemacher, die den Einsatz von Technologie lieben, um damit etwas anzustellen, was zuvor noch niemand gemacht hat. Unser erster Gedanke war, etwas zu produzieren, das räumlich extrem begrenzt und mit einer normalen Kinokamera nicht möglich ist.

Keith Lynch
Co-Director
Kate Reid BSC beim Dreh in der Descent-Raumkapsel mit dem VENICE-Verlängerungssystem Mini

Dreharbeiten im XR Lab

Das physische Set befindet sich im XR Lab des Fashion, Textiles and Technology Institute der University of the Arts London. Das XR Lab wurde vom UK Research and Innovation, Arts and Humanities Research Council finanziert und war der weltweit erste VP-Forschungsraum, der mit Crystal LED VERONA-Panels von Sony ausgestattet wurde. Wenn man den Raum zum ersten Mal betritt, fühlt es sich wirklich wie die Leere des Weltraums an.

„Wir wollten mit Kate einen Film drehen, der im Weltraum spielt“, sagen die Lynch-Brüder. „Wir tendierten dazu, die LED-Panels [Raum für VFX] zu verwenden, aber das Problem war, dass man auf denen kein richtig tiefes Schwarz hinbekommt. Dann entdeckten wir die Sony VERONA-Geräte, die die tiefe Schwärze des Weltraums hinbekommen und mit denen man wirklich gut arbeiten kann.“

„Sie sind wunderschön“, sagt Reid. „Ich fand die Farben toll, all die Details und die Tatsache, dass wir nicht so weit von ihnen weg waren.“ Ihr DIT John Miguel konnte sich sogar von seinem Livegrade-Pult aus mit den Bildschirmen verbinden. „Ich fand es wirklich faszinierend, dass ich dermaßen viel Kontrolle hatte. Ich konnte vom Pult aus in Echtzeit mehr Kontrast hinzuzufügen oder die Farbtemperatur [der Hintergründe] ändern und das Ergebnis wurde mir direkt auf der Kamera angezeigt.“

Wir hatten diesen LED-Raum mit den Sony VERONA-Bildschirmen – dieses tiefe Schwarz, das so perfekt für den Weltraum ist. So entsteht eine wirklich immersive Umgebung, und man merkt gar nicht, dass man sich in einer Filmkulisse befindet. Das hat wirklich einen brillanten Effekt – das kann man nicht nachmachen.

David T. Lynch
Co-Director

Trudeln im freien Fall

Die Regisseure selbst erstellten die Hintergrundinhalte, die als 2D-Videos und Standbilder gerendert wurden. Eine 3D-Nachführung der Kamerabewegung hielten sie angesichts eng begrenzten Sets für ebenso unnötig wie unpraktisch.

Reid bemerkt dazu: „All diese Medien… waren unglaublich hilfreich, um die verschiedenen Beleuchtungszustände zu verstehen. Wie wirkt es, wenn alles ruhig ist und dann die Sonne durchkommt und [die Kapsel] anfängt, frei zu fallen und dann zu trudeln beginnt? Nachdem ich also gesehen hatte, was sich außerhalb des Fensters befand, war es sehr hilfreich, als ich darüber nachdachte, wie wir die Lichteffekte gestalten sollten.“

Ein Creamsource Micro Colour ist über der Kapsel angebracht, während sich im Inneren zwei kleine Astera-Röhren in einer kühlen Farbe befinden. Eine 2K-Wolfram-Fresnel ist an einem Dolly angebracht, damit sie das Set umkreisen kann, während Spiegel für die chaotischeren Sonneneffekte bereitstehen, die gebraucht werden, wenn das Raumschiff ins Trudeln gerät.

 

Kate Reid BSC mit VENICE-Verlängerungssystem Mini und Schauspielerin am Set mit der Raumkapsel

Apollo-Anamorphoten

Reid drehte den größten Teil des Films mit Xelmus Apollo 2x Anamorphoten, „aber für den Fall, dass wir sie für Nahaufnahmen brauchen oder Aufnahmen aus der Hand gemacht werden, hatte ich auch einen Satz sphärischer Objektive dabei. Das größere Anamorphot hätte die Gewichtsverteilung ein wenig schwierig gemacht. Tatsächlich gab es während der gesamten Dreharbeiten dann aber nur eine einzige solche Aufnahme, und die haben wir mit einem kleinen [sphärischen] Tamashii Primer erledigt.“

Diese Einstellung kam ganz am Schluss des Films, als die Kamera vom Schatten auf das erschöpfte Gesicht der Astronautin schwenkt. Die Anzeigetafel der Kapsel wird von ihrem Visier reflektiert. Sie öffnet es und schaut zum Bullauge hinüber. Die Kamera folgt ihrem Blick und zeigt den Schatten der Kapsel, der sich über die Mondoberfläche ausbreitet, auf der sie schließlich gelandet ist. Die Kamera und die LED-Panels kommen mit den harten Schwarz- und Weißkontrasten der CG-Szene gut zurecht, und der Schmutz auf dem Bullauge sorgt für eine Realitätsnähe, mit der Green-Screen-Filme nicht mithalten können.

„Es macht Spaß, etwas auf eine Weise zu filmen, bei der einfach alles da ist“, merken die Regisseure an. „Ich sagte zu Anastasia, der Schauspielerin: „Alle Knöpfe werden funktionieren, die Bildschirme werden eingeschaltet sein, und die Sachen vor den Fenstern wirst du wirklich sehen können. Du musst dir nichts vorstellen.“

Schauspielerin Anastasia Aush trägt ein POV Cyclops-Kamerasystem mit einem VENICE-Verlängerungssystem Mini

POV mit Zyklop

Als ob das Filmen in der Kapsel nicht schon schwierig genug gewesen wäre, hatte das Team die Idee, die Kamera am Kopf der Schauspielerin zu befestigen, um die echte POV-Perspektive auf die Bedienelemente und Instrumente zu zeigen, während sie damit interagiert. Das vermittelt auf wahrhaft dynamische, natürliche Weise das Gefühl, der Astronaut zu sein, der auf die sich entfaltenden Ereignisse reagiert.

Mit seinem einzigartigen Winkel von oben nach unten in einem geteilten Spiegel ist das Cyclops POV-Kamerasystem wie für solche Szenarien geschaffen. Ursprünglich wurde es für die Sony FX3 entwickelt, aber heute ist das neue Verlängerungssystem noch leichter und verfügt über den 8K VENICE 2-Sensor. Das VENICE-Verlängerungssystem Mini stellt einen verblüffenden technischen Fortschritt für Cyclops und POV-Aufnahmen dar, und ist doch nur ein Beispiel für Anwendungen wie XR, Stereoskopie und 360°-Filme, deren Transformation Sony erwartet.

Es ist begeisternd, den VENICE 2-Sensor in einer so kleinen Kamera zu erleben. Das Großartige dabei ist, dass man denselben Sensor, Codec und Workflow einsetzen und die gleichen Objektive verwenden kann, die auch in Ihrer Hauptkamera zum Enisatz kommen. Aber eben in einem kleineren Gehäuse.

Kate Reid BSC

Dies ist eine überarbeitete Version eines Artikels für Ausgabe 2 des Creators Magazine, das von British Cinematographer in Zusammenarbeit mit Sony produziert wird und im April 2025 erscheinen soll.

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